Rezension - Die Attentäterin von Yasmina Khadra

Rezension: Die Attentäterin von Yasmina Khadra

Im Werk „Die Attentäterin“ nimmt Yasmina Khadra die Leser mit auf eine Irrfahrt durch eine Welt, die geprägt ist von Terror, Gewalt und dem Kampf für das eigene Land. Eine Welt, die fasziniert und interessiert, aber zugleich auch völlig unverständlich und abstossend ist.

Amin Jaafari ist ein erfolgreicher Chirurg in einem Spital in Tel Aviv. Er ist gebürtiger Araber – Sohn eines Beduinenanführers – und verfügt jedoch mittlerweile über einen israelischen Pass und geniesst in Tel Aviv einen guten Ruf. In einem Restaurant in der Nähe des Spitals sprengt sich eine Attentäterin in die Luft und reisst 15 Menschen in den Tod. Kurz darauf erfährt Amin, dass es sich bei der Selbstmordattentäterin um seine Ehefrau Sihem handelt. Eine Tatsache, die er nicht glauben will. Es ist für ihn unvorstellbar, dass seine Frau, der er ein scheinbar perfektes Leben bieten konnte und die er über alles geliebt hat, zu so einer Tat fähig war.

Leser leidet mit

In der ersten Phase der Erzählung dreht sich alles um diese Verdrängung. Amin will und kann nicht glauben, dass seine Frau tatsächlich die Tat begangen hat. Er ist total neben der Spur. Erst als er den Abschiedsbrief seiner Frau findet, hat er die Gewissheit, dass sie das Attentat tatsächlich verübt hat. Aus der Phase des Nicht-Glauben-Wollens wird nun eine Phase des Zweifels. Warum hat sie das getan? Weshalb hat er nichts gemerkt? Trifft ihn auch eine Schuld?

Amin begibt sich auf eine Spurensuche. Er reist nach Bethlehem, wo der Brief aufgegeben wurde, forscht bei seinen Verwandten und in der Moschee. Er will um jeden Preis verstehen, was seine Frau zu dieser Tat getrieben hat. Khadra schafft es dabei hervorragend, das Gefühlschaos von Amin – Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit – so zu vermitteln, dass man als Leser mitleidet.

Riesige Gegensätze

Die Suche von Amin gipfelt darin, dass er mit dem Anführer einer palästinensischen Widerstandsbewegung ein langes Gespräch führt. Dabei wird deutlich, wie komplett unterschiedlich die beiden Weltanschauungen sind: Auf der einen Seite der Palästinenser, der um jeden Preis für sein Land kämpfen will und dafür auch bereit ist, sein Leben zu opfern. Der Tod ist für ihn ein Mittel zum Zweck, ja gar ein Ziel. Auf der anderen Seite Amin, der als Chirurg alles dafür tut, um den Tod seiner Patienten abzuwenden. Diese Gegensätze der beiden Welt, die so überhaupt nicht miteinander vereinbar sind, werden von Khadra sehr schön herausgearbeitet. Und dadurch zeigt sich auch, worin die Schwierigkeit besteht, einen solchen Konflikt, wie er im nahen Osten vorherrscht, zu lösen. Und auch, wie wenig wir im Westen davon verstehen, worum es geht und welche Ideologien und Gedanken hinter diesem Kampf stecken.

Überzeugend, aber…

Genau dies ist meiner Meinung nach die Stärke des Buchs von Yasmina Khadra. Der Name übrigens ist ein Pseudonym. In Wahrheit heisst Yasmina Khadra Mohammed Moulessehoul und hat als Offizier in der Algerischen Armee gedient, wo er unter anderem gegen die Islamisten in Algerien gekämpft hat. Erst als er nach Frankreich ins Exil gegangen war, gab er seine wahre Identität preis.

Obwohl mich das Buch thematisch überzeugt hat und vor allem das Gefühlschaos, die verzweifelte Suche nach Antworten für die Gründe einer solchen Tat und die Komplexität, die hinter dem Konflikt steht, eindrücklich herausgearbeitet wurden, war die Erzählung phasenweise etwas langatmig. Nicht immer konnte Khadra den Drive hochhalten, so dass die Spannung immer mal wieder abfiel – insbesondere bei den teilweise sehr langen Dialogen. Auch das Ende der Erzählung vermochte mich nicht so recht zu überzeugen. Viel eher liess es mich etwas ratlos zurück. Aber vielleicht war ja genau dies die Absicht…

Bibliografische Angaben

Titel: Die Attentäterin
Auto: Yasmina Khadra
Seiten: 272
Erschienen: 2005
Verlag: Nagel & Kimche
ISBN-10: 3312003806
ISBN-13: 978-3312003808
Bewertung: 3/5


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